Mit der Kamera neben der Rotation

Angehende Mediengestalter der Wemer-von-Siemens-Berufsschule zeigen im Film die Arbeit in der FR

VON MIRIAM ANTON

In Kooperation mit der Frankfurter Rundschau haben 14 Schüler der Werner-von-Siemens-Berufsschule einen Film über die Entstehung einer Tageszeitung gedreht.

FRANKFURT • 15. FEBRUAR • Tausende Seiten rasen durch die Pressen im Druckhaus. Schnitt. Eine bunte Graphik zeigt, wie die Maschinen arbeiten: Die Methode heißt Offset-Druck, erklärt eine Sprecherin im Hintergrund, „die Druckplatte überträgt die Farbe nicht direkt aufs Papier, sondern erst auf ein Gummituch."
Informativ und acht Minuten lang ist der Film, den die Schüler der Werner-von-Siemens-Berufschule im März 2004 gedreht und vor Kurzem fertig gestellt haben. Er dokumentiert die Produktion einer Ausgabe der Frankfurter Rundschau: von der morgendlichen Redaktionskonferenz über Anzeigenannahme, Schreiben und Redigieren hin bis zum Druck.
„Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis", sagt Timo Henkel, nur der Text müsse neu eingesprochen werden. Der 25-Jährige, der die Begleitmusik zum Film komponiert hat, wird in diesem Sommer seinen Abschluss als „Mediengestalter für Bild und Ton" an der Berufsschule im Gallus machen. Das Film-Projekt ist Teil des Unterrichts, gearbeitet wurde jedoch professionell. Bevor es ans Filmen ging, haben sich die 14 Schüler, die alle bereits in der Film und Video-Branche arbeiten, mit den Produktionsabläufen bei der FR vertraut gemacht. Danach verfassten sie ein so genanntes Treatment, auf dem Szenen, Kamera-Einstellungen, Drehorte und Teams festgehalten werden. Erst dann begann der Dreh.
„Im Druckhaus in Neu-Isenburg wurde es stressig", sagt Matthias Nees, der sich auf Kamera spezialisiert hat. Denn die Filmteams mussten sich an den straffen Produktions-Zeitplan halten. Um 18 Uhr ist Andruck der Deutschlandausgabe, ab 21 Uhr werden die Hessenseiten gedruckt, ab 22.45 Uhr geht es mit den Regionalausgaben weiter und gegen Mitternacht ist die Stadtausgabe dran.
Nach sechs anstrengenden Drehtagen war der Film im Kästen und konnte am PC geschnitten werden. Dazu benötigten die angehenden Mediengestalter gute 20 Stunden.
„Das Projekt hat sich trotzdem mit Vorbereitung über ein Jahr lang hin gezogen, da die Schüler nur zwölf Wochen im Jahr hier sind", erklärt Berufsschullehrer Karlheinz Landrock. Der Film ist eine Vorbereitung für die Abschlussprüfung, die die meisten Schüler im Juni ablegen werden. Neben einem theoretischen Teil müssen die zukünftigen Absolventen jeweils einen eigenen vierminütigen Film drehen. „Dazu haben sie nur 18 Stunden Zeit", so Landrock. Doch trotz guter Ausbildung haben es die Absolventen schwer: „Nur zwei aus der Klasse werden übernommen", so der Berufsschullehrer.
Dass das Film-Geschäft hart ist, wissen die Schüler aus eigener Erfahrung. Einige Unternehmen beschäftigen gut ausgebildete Praktikanten, die umsonst arbeiten, beklagen die jungen Medienleute. Beim Fernsehen greife man vermehrt auf so genannte Video-Journalisten zurück: ein „VJ" ist Autor, Kameramann und Cutter in einem und daher billiger als ein ganzes Team. „Der Zeitungs-Film hätte mit professionellen Teams etwa 15000 Euro gekostet", sagt Landrock. An ihrem Projekt-Film haben die Schüler zwar persönlich nichts verdient, doch haben sie eine Arbeitsprobe, die auch nach der Bewerbung nicht in der Schublade landet: der Info-Film wird künftig Besuchergruppen gezeigt, die eine Führung durchs Druckhaus der FR machen.

Quelle: Frankfurter Rundschau, 15.02.2005

Hier können Sie sich den Film anschauen: (3,2 MB im WMV Format).
Die Vollversion können Sie vom Fachbereich Mediengestaltung über das Sekretariat beziehen.